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Es war ein langer Weg, voller Höhen und Tiefen, die ich wunderbar bewältigt habe.
Es gab Tage, an denen selbst mir der Sport draußen  nicht wirklich leicht fiel und Tage, an denen ich hätte Berge besteigen können – im Schneckentempo. Aber eines war sowohl den guten, als auch den schlechten Tagen gemein: Sobald ich draußen war, ging es mir besser. Daher habe ich beschlossen kein Wort mehr über die Vergangenheit zu verlieren und euch weiterhin an den positiven Dingen teilnehmen zu lassen, an den Geschichten, die es wert sind sie zu erzählen. Eingestreut wird es im Rückblick sicher den einen oder anderen Moment geben, den ich auch heute noch wichtig finde mitzuteilen.

Gipfelgespräch International Mountain Summit, Brixen © Michaela Wiese

Eines steht fest, die Chemotherapie, all die traurigen Dinge, die sich ereignen können, Ängste und Nöte, welche Betroffene und ihre Familien ereilen, werden zu Hauf in Foren und Blogs besprochen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Leider bekommen hierdurch die Menschen eben auch Angst. Furcht greift um sich und genau das möchte ich nicht. Es gibt nichts zu fürchten, denn all das was während der Therapie passiert, für eine die eine große Sache gut – zunächst für das eigene Überleben und schließlich für ein weiteres Leben mit den Menschen, die wir lieben und die uns lieben.

Mein letzter Post ist Monate her
Ich verspürte einfach keine Lust über die Krankheit zu schreiben. Wollte nicht in Konkurrenz mit Menschen treten, denen es ein riesiges Bedürfnis ist über ihr Leid zu sprechen. Vielmehr verspürte ich eine große Kraft in mir, Menschen mit Krebs zu helfen, so wie meine Kinder und meine Freunde mir halfen. All diese Menschen akzeptierten einfach meinen Tatendrang, mein: „Ich muss jetzt raus, ich muss mich spüren, ich muss spüren, dass ich noch Kraft habe.“ Zuzusehen, wie ein Mensch, der immer nur so vor Energie und Kraft strotzte, langsam aber sicher, trotz der regelmäßigen Outdoor-Aktivitäten, immer langsamer wurde. Früh zu Bett ging und morgens am liebsten liegen geblieben wäre, ist nicht leicht. Zu akzeptieren, dass dieser Mensch alles weiterhin selbst machen möchte, sich nicht helfen lassen, um die Normalität im Leben nicht zu verlieren, ist nicht einfach. Dafür möchte und muss ich an dieser Stellen all meinen Lieben danken.

„Kaum ziehe ich meine Bergklamotten an, fühle ich mich wie Batwomen, stark und bereit alles leisten zu können.“ Petra Thaller © Michaela Wiese

In den Monaten der Chemotherapie habe ich den Grundstein für mein viertes Baby gelegt
Outdoor against Cancer (OAC)– unter dem Motto #stayfitgethealthy haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Krebskranken Menschen und ihren Familien zu helfen. Sei es mit speziell ausgearbeiteten Touren in den Bergen, einem eigenen OaC-Dorf, wir wollen beratend zur Seite stehen und dafür sorgen, dass die wichtige Normalität aus dem Leben nicht verschwindet.

Mein ganz persönliches Engagement startet klein
Ab Mitte November werde ich zunächst ein Mal pro Woche mit Patientinnen des Brustzentrums der LMU München rausgehen, um mit ihnen die Magie des Outdoor-Trainings zu teilen. Eineinhalb Stunden draußen trainieren. Im Focus stehen dabei sanfte Bewegungen um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, Kraft und Ausdauer aufzubauen, den Kopf frei bekommen. Diese Stunden sollen dazu dienen den Patientinnen zu zeigen, dass Outdoor-Aktivitäten während der Chemotherapie und natürlich im Anschluss daran, ein wunderbarer Weg sind.

#stayfitgethealthy
Es geht nicht darum Höchstleistungen zu vollbringen, sondern darum fit zu bleiben und nach Möglichkeit zu gesunden.

THE NEW LOOK © Sorin Morar

Das hatte ich mir so gedacht und die ersten Tage gelang dies auch sehr gut. Laufen gehen, Fotoshooting mit Sorin Morar und Thomas Straub an einem Tag, Fotoshooting mit Sorin Morar bei mir Zuhause an einem anderen. Die Haare müssen ab, bevor ich sie verliere – und dann …

© Sorin Morar und Thomas Straub

Darf ich vorstellen: Olga. © Sorin Morar und Thomas Straub

Es ist ein lustiges Shooting mit Sorin und Thomas, irgendwie finden sich hier drei Menschen, die es wirklich gut miteinander können. Die beiden Fotografen sind mir sehr nahe, ich kann mich fallen lassen und meinen Gefühlen, meinen Emotionen freien Lauf lassen, offen, ohne Angst verletzt zu werden.  Bekannte Gefühle, jene, die Erinnerungen aus wach werden lassen, als ich als junge Frau mein Geld mit Moderationen verschiedener TV-Formate und beim Film verdiente. Kamerascheu bin ich also nicht geworden, das beruhigt. Dafür musste ich mit Schrecken feststellen, dass das Gesicht, wenn es ehrlich und ausdrucksstark abgelichtet wird, alt und ja, auch ein wenig müde wirkt. Aber irgendwie auch … schön. Ehrlich.

Am liebsten habe ich dieses Bild oben – Sorin’s Arm mit Olga, jener Errungenschaft, nach der ich lange gesucht habe, die ich unbedingt haben musste und nicht ein Mal getragen habe. Sie ist nicht ehrlich, passt nicht zu mir. Mit ihr komme ich mir vor wie eine Schaufensterpuppe. Instinktiv wusste ich das zu diesem Zeitpunkt schon. Später hat sich dies bestätigt. Olga gehört zwischenzeitlich einer jungen Frau, die hoffentlich glücklich mit ihr ist.

Ein seltsames Gefühl

Tag drei nach der ersten Chemotherapie macht sich in meinem Körper ein seltsames Gefühl breit, undefinierbar, seltsam. Das Kortison hält mich nachts wach und tagsüber fühle ich mich ein wenig schlapp. Also, gehe ich laufen, was sonst, laufen macht den Kopf frei und ich fühle mich danach jedes Mal glücklich und stark. Doch irgendwie mag dieses dumme Gefühl nicht schwinden. Es ist nicht greifbar. Nun so hangle ich mich durch die Tage, arbeite, mache Sport und organisiere meinen ‚Glatzentag‘.

„De wachn ja wieda“, © Selfi Andreas Ried

Mein Bergfreund Andi ist solidarisch und lässt sich auch eine Glatze rasieren – am gleichen Tag – und grinst … „de wachsn ja wieda“, typisch Andi, danke dir an dieser Stelle für deinen trockenen Humor!

Hairday: Oder wie die Friseurin verzweifelt

Nun ist er also da, der gefürchtete Tag, der Tag, an dem ich meine Haarpracht nun gegen Glatze tausche – bewusst mit die Haare abschneiden lasse, bevor sie mir büschelweise in wenigen Tagen ausgehen werden. Keine vorübergehende Kurzhaarfrisur, sondern einen Radikalschnitt – denn: „De wachen ja wieda“.

Bilder sind in diesem Falle sicher besser als Worte, daher gibt es nun Einblicke in die Prozedur des Haarschneidens – ungeschminkt und es gab keine Träne, außer die der lieben Friseurin. Meine Tochter Sara war mit dabei, ein kleines Familienfest der anderen Art.

Bilder sagen mehr als Worte

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Der erste Cut ist getan, alle sind erleichtert. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Sieht ja gar nicht so schlecht aus, wenn die Haarpracht runter ist. © Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Wir nähern uns an, Kurzhaarschnitt so viel weiß ich jetzt schon, kommt nicht in Frage 😉 © Sorin Morar

© Sorin Morar

Danke an die Tochter, dass sie diesem ‚Spaß‘ mitgemacht hat. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Not my style. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Schräg. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Viel Gesicht. © Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Final cut. © Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Ich sag nur Olga. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Olga … immer wieder Olga © Sorin Morar

© Sorin Morar

Fremdkörper © Sorin Morar

© Sorin Morar

Geschafft … die Frage ist, wer war hier mehr erleichtert :-). © Sorin Morar

© Sorin Morar

Stilleben mit Haaren © Sorin Morar

© Sorin Morar

Na also, darf ich vorstellen, THE NEW LOOK © Sorin Morar

Sieht man es mir an? Ich bin froh, dass dieser Schritt getan ist. Froh, dass ich diesen Schritt weiter bin, denn jeder Tag ist ein Tag, der mich dem Ziel: Erfolgreiches Ende der Chemotherapie, näher bringt. Und ich habe einen Vorsatz, auch wenn es nicht immer ganz leicht fällt: Lebe dein leben, nimm es in die Hand, dann geht diese Zeit auch schnell vorüber.

Erste Chemotherapie (c) iPhone Petra Thaller

Es ist nun alles getan, sämtliche Untersuchungen sind erfolgt. Die Wächterlymphknoten entnommen und lediglich zwei waren von Metastasen befallen, der Port gesetzt, die genetische Untersuchung erledigt. Ich bin bereit für den nächsten Schritt: die erste Chemotherapie.

1. Chemositzung

1. Chemositzung (c) iPhone Petra Thaller

Es ist Montag, 3. März 2015 9.00 Uhr. 
Was auf mich zukommt weiß ich nicht. Ich sitze im Therapieraum von Dr. Sattler im Arabellahochhaus. Ikea lässt grüßen und nachdem ich wieder einmal nicht superpünktlich bin, erwische ich lediglich das letzte freie Sofa im Eingangsraum. Nun was soll’s. Bewaffnet mit leckerem Cappuccino, einem Croissant und einer leckeren Leberkässemmel aus dem Chocolatte meiner Freundin Yurdagül Balci, harre ich der Dinge die da kommen.

Ich werde über den Port mit den Chemikalien versorgt, so richtig erklärt wird mir nichts – ist ja schließlich für den Chemopfleger lediglich Routine. Für mich allerdings nicht. Nun, ich sitze also geduldig da und nehme die nächsten zweieinhalb Stunden einen Cocktail nach dem anderen zu mir. Ein roter ist auch dabei.

Die Zeit vergeht im Flug
Ich habe mein Laptop dabei und arbeite. Doch dann passiert das Unsägliche. Eine Frau meines Alters kommt mit ihrer Mutter (sie sitzt im Rollstuhl und kann sich nicht mehr artikulieren) in den Raum. Sie ältere Dame wird – bitte verzeiht den Ausdruck – direkt vor mir geparkt. In voller Montur, Hut, Mantel, wartet sie geduldig was nun passiert. Ich muss sie ständig anstarren, was mir richtig peinlich ist. Nun, die Tochter soll in der Apotheke um die Ecke ein Medikament für die Mutter besorgen. Für eine halbe Stunde kümmert sich niemand um diese Frau. Plötzlich taucht die aufgelöste Tochter wieder auf. Es entsteht ein kurzer Disput mit dem Chemopfleger, weil sie die Apotheke nicht gefunden hat. Welch ein Irrsinn. Die Rollstuhlfrau versucht sich einzumischen, daraufhin entfacht ein Streit zwischen Mutter und Tochter … wo bin ich nur hingeraten. Beschämt drehe ich mich weg.

Als ich kurze Zeit darauf wieder vom meinem Laptop hochblicke, sehe ich, wie der Chemopfleger den Pullover der älteren Frau hochhebt, mitten im Raum, ungeschützt vor fremden Blicken, und ihr eine Spritze in die Bauchdecke gibt. Ich bin entsetzt. Warum wird Intimsphäre nicht gewahrt? Warum gibt es keine Achtung dieser Frau gegenüber?

Die Szene ist irgendwann abgeschlossen, Mutter und Tochter haben die Praxis verlassen. Nach zweieinhalb Stunden, werde ich abgestöpselt. „Bis in drei Wochen Frau Thaller und trinken Sie viel!“ Das war’s? „Und nehmen Sie Ihre Tabletten, damit Ihnen nicht übel wird.“
Kein Info über wöchentliche Blutchecks, kein Hinweis, dass ich auf die Körpertemperatur achten muss, nichts. Das soll ich alles erst viel später von meiner Freundin Maike aus Lübeck erfahren.

Ich merke nichts
Im Anschluss an die erste Chemositzung fahre ich noch zu unsere Agentur, um mir den Fortschritt der Moutains4U anzusehen und die Umsetzung der Artikel zu besprechen. Eine seltsame Stimmung umfängt mich. Ich weiß nicht was passiert. Die Horrorgeschichten derer, die mir über die Therapie erzählt haben, stimmen mich ein wenig seltsam. Es ist einfach komisch nicht zu wissen was passiert.

Der Abend verläuft normal, ich trinke viel, esse mit den Kindern und gehe zu Bett. Ich bin richtig nervös, wache nachts ständig auf. Immer in Erwartung, dass irgendwas passiert – tut es aber nicht. Es passiert einfach nichts. Das kann ja nicht sein, ich bin keine Ausnahme! Sicher nicht! Nun, ich nehme alles so an, wie es eben ist und schlafe dann endgültig gegen Morgen tief und fest ein.

Ich gehe offen mit meiner neuen Beziehung um. Einer Beziehung, in die ich mich nicht freiwillig begeben habe. 

Mysteriös, mysteriös … (c) iPhone Petra Thaller

 

Denn, soviel ist sicher, wenn ich nicht offensiv mit dem Thema an sich umgehe, gehe ich unter. Ich würde ersticken an Gedanken, an Phantasien, an Visionen vielleicht auch an Angst. Angst, die ich nicht habe. Ich habe keine Angst den Kumpel wieder los zu werden – alles zu seiner Zeit; Angst zu sterben habe ich schon gleich gar nicht.

Vielmehr ist es eine Zeiterscheinung. Wie eine Schwangerschaft. Auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt. Und während der Schwangerschaft leben wir ja auch weiter, machen Pläne, freuen uns daran und daran, dass es irgendwann vorbei ist und ein neues Zeitalter anbricht.

Ich kann mich, obwohl ich ihn mir nicht ausgesucht habe, sogar für meinen neuen Bewohner in gewisser Hinsicht begeistern. Er zeigt mir neue Wege auf und er zeigt mir auf, wie sehr mich die Menschen doch mögen. Wie sehr sie mich Petra schätzen. Meine Art Dinge anzugehen, meinen Weg durch das Leben. Mit einem starken Lachen und leisen Tränen, die niemand sieht.

Stärke ist meine Stärke
Ich bin gerne stark für andere und für mich selbst. Gebe Rückhalt und habe ein offenes Ohr. Ich glaube an mich. Bin weder Optimist, noch Pessimist. Ich bin positiv.  Ja das ist es, wenn ich mich charakterisieren müsste, möchte ich die Attribute stark und positiv verwenden, so sehe ich mich gerne und so lebe ich mein Leben. Stark und positiv.

Im Falle von Sara war das ganz klar: Kind, zwar schon beinahe erwachsen, ist krank, dann muss ich eben handeln.

Menschen erzählen mir ihre Sorgen, dann höre ich eben zu. Sie brauchen das und ich darf mir dazu meine Gedanken machen. Sorgen übernehme ich nicht. Und wenn ich nur zu dem Schluss komme und bei mir denke: Dann ändere was. Mach was, dass du deinen Zustand ist Positive kehrst.

Ich habe einen guten Freund, er hat oberflächlich gesehen einfach alles was man sich so wünschen kann. Sieht gut aus, ist erfolgreich, besitzt das eine oder andere Statussymbol. Ein kluger, witziger, sympathischer Bursche. Kurz: ein Prachtexemplar. Wenn er nur nicht immer krank wäre. Kaum ein Telefonat in welchem er nicht ein Zipperlein hier oder dort hat. Er selbst erkennt das nicht mehr. Er selbst nicht. Ich höre ihm zu. Mehr kann ich nicht tun. Am liebsten würde ich ihm sagen, er möge den einen oder anderen Zustand in seinem Leben ändern. Darf ich das? Nein, das muss er selbst machen. Ich bin dazu da ihm zuzuhören, mit ihm zu lachen und aufregende Gespräche zu führen. Ändern muss er sein Leben selbst.

Das ist das Geheimnis des Lebens – wenn wir etwas möchten, dann sind wir selbst dafür verantwortlich dies zu bekommen, oder eben nicht. Träume bringen uns weiter, wie schön ist es, wenn sich der eine oder andere realisieren lässt – nicht zuletzt weil wir daran glauben, dafür arbeiten und manchmal eben dafür auch kämpfen.

auf meinem Weg nach Hause, nach 22 Stunden im Hospital (c) iPhone Petra Thaller - bin noch nicht losgefahren :-)

Das Telefon läutet. Sara ist dran. Sie weint. Ihr Körper schmerzt. Ich bin hellwach. Gehe zur Nachtschwester und bitte um „Freigang“ für 45 Minuten, um nach der Tochter zu sehen. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. Kurz darauf düse ich durch die Nacht zu uns nach Hause.

Auf meinem Weg nach Hause, nach 22 Stunden im Hospital  (c) iPhone Petra Thaller - bin noch nicht losgefahren :-)

Auf meinem Weg nach Hause, nach 22 Stunden im Hospital (c) iPhone Petra Thaller – bin noch nicht losgefahren 🙂

Da Kind glüht. Fieberthermometer. Es funktioniert nicht. Also Mama Hand an die Stirn und erfühlen, was in diesem Körper los ist. Ich schätze so kurz vor der magischen 40 und krame in unserer Medikamentenkiste: Halsscherzen, Gliederschmerzen, Husten, Fieber. Ich stelle den Medikamentencocktail zusammen und gebe ihn Sara. Als ich kurz darauf das Haus verlasse ist sie eingeschlafen. Ich muss schon schmunzeln. Ich bin verrückt. Anstatt eine meiner wirklich guten Nachbarinnen oder Freundinnen anzurufen, rücke ich selbst aus. Denn das passt in das Drehbuch meines Lebens. Das eben anders ist. Es ist mein Drehbuch und ich erhebe mich nicht über andere Menschen, die an solch einem Morgen einfach liegen bleiben und andere die Arbeit tun lassen.

Nein, das mache ich nicht. Vier Stunden später werde ich entlassen. Exakt 22 Stunden nach dem Eingriff.

Ich atme tief durch
Dann ziehe ich los, kaufe alles was in eine anständige Hühnersuppe rein muss und bereite sie dem Kind. Mein Arm schmerzt. Ich mache zu viel. Das steht fest. Eigentlich sollte ich ein wenig langsamer tun. Und mein Körper signalisiert mir das auch. Doch ich kann nicht. Ich wurstle mich so durch den ganzen Tag. Bearbeite meine eMails. Vereinbare Termine für die nächsten Tage, telefoniere mit Andi und meinen Freundinnen. Den Blog fasse ich nicht an. Ich habe festgestellt, dass ich mich zu sehr in Details der Krankheit verlieren würde und nicht im Leben. Das möchte ich nicht. Und in Wirklichkeit tue ich das auch nicht.

Mein Leben ist derart komplex, dass ich keine Zeit für den Krebs habe. Er ist zur Nebenrolle abgestempelt und wird aus der Ecke auch nicht herauskommen, bis die Autorin ihn aus dem Film schreibt. Weil er stirbt. So einfach ist das.
Mein Leben ist leben, etwas schaffen, mich austauschen. Und immer wieder kommen ein paar Arschgeigen, verzeiht, die meinen, sie müssen mir einen Strich durch mein durch und durch gutes Leben machen. Privatmenschen und auch Geschäftspartner. Diese gruseligen Gestalten sind bestenfalls Zeit- und Energiediebe. Mehr aber nicht.

Wisst ihr, was mich dieser Krebs lehrt?
Er lehrt mich, mich besser abzugrenzen. Klarer zu werden, klar zu formulieren und noch zielgerichteter zu Handeln. Mein Krebs ist mein Lehrmeister. Durch ihn lerne ich Dinge, die meine Kinder längst beherrschen. Er zeigt mir wo es lang geht. Und, dass ich meine Zeit nicht mit Nebensächlichkeiten und vor allem nicht mit den Unzulänglichkeiten anderer vergeuden darf. Dafür bin ich dankbar.

Briefe an mich

Das ist heute mein ganz persönlicher Brief. Denn heute bin ich wieder dran mit der nächsten Chemo – dieses Mal im Wochenrhythmus – 12 Wochen lang ist Mittwoch mein Chemo-Tag und dann ist’s vorbei. Also ganz lieben Dank für diese Zeilen, sie sind heute mein Mutmacher des Tages!

Briefe an mich (c) iPhone Petra Thaller

Briefe an mich (c) iPhone Petra Thaller

Liebe Petra,

jetzt muss ich dir doch schreiben, aber ich ziehe nicht die Öffentlichkeit vor. Ich finde es grandios, wie du das alles von der Seele schreibst.
Ich lese jede Zeile und warte auf die nächste und überlege mir, wie es mir wohl erginge  … Und mir würde es nicht so ergehen – ich hätte Angst und Zweifel und wahrscheinlich auch Panik.

Deine Worte geben mir, als noch gesunden Menschen, Mut und Hoffung und geben mir jetzt schon Kraft, falls mal etwas Unerwartetes eintritt.
Ich beschäftige mich viel mit Sterben und Tod, aber mittlerweile bestimmt nicht mehr voller Angst und Sorge. Deshalb habe ich die Ausbildung zum Kinderhospizhelfer gemacht und warte aber  ängstlich und gleichermaßen auch neugierig auf meinen ersten „Einsatz“. Deine Worte helfen mir dabei.

Danke, ich würde dich jetzt sehr gerne in den Arm nehmen!

Ganz liebe Grüße

„Ja Leute, ich bin wieder da. Wie es war? Prima. Ich habe Hunger und zwar richtig.“ Zum Dinner gibt es zwei Scheiben Brot, eine Margarine und drei Scheiben Käse sowie zwei winzig kleine Käseecken. Kein Gemüse, keine Gurkenscheibe. Nicht einmal Wasser stellen sie einem hin.

(c) Sorin Morar

(c) Sorin Morar.

 

Verrückt. Ich verspüre solch eine intensive Lust nach Salat, dass ich mich entschließe die nette Aufwachschwester zu fragen, ob ich kurz raus darf an die frische Luft.
Nicht in meinem sexy hinternfreien Nachthemd, sondern standesgemäß im lässigen OnePiece mit Uggs und Daunenjacke. Was sonst. Sie starrt mich mit ihren riesigen braunen Augen an und kann nicht nein sagen.
Bingo. Ich darf raus, nach nur sechs Stunden. Vorsichtshalber bekomme ich noch einen Einweghandschuh über den Zugang an der Hand, damit kein Schmutz reinkommt. Dann bin ich weg.  Den Drainagebeutel verstecke ich unterm Anorak, schließlich möchte ich die Leute nicht erschrecken. Ich atme tief ein, ja, genauso machen es Heldinnen. Sie machen das was sie möchten. „Brave Mädchen kommen in den Himmel …“, schießt es mir durch den Kopf, „ich komme überall hin!“

Was ich möchte. Keine Ahnung. Nur raus hier und was Frisches zu essen besorgen. Um die Ecke ist ein Italiener, dort gehe ich hin. Es ist anstrengender als gedacht, ich telefoniere mit meiner Freundin Michaela– eine wahrhaft echte Freundin, sie erklärt mich zwar für verrückt, begleitet mich aber am Telefon bis ins Lokal. Sie kennt mich. Ich muss aufhören und bestellen. Büffelmozzarella mit Ruccola und Tomate – yeah und Orangenlimonade. Welche ein Genuss. Mit meiner kulinarischen Beute kehre ich langsam zurück. Ich bin schlapp, aber glücklich und freue mich auf dieses wunderbare Essen.

Soap-Gespräche
Es ist wie in diesen Soaps, die ich mir, nach dem Kieferbruch von vor drei Jahren, nächtelang angesehen habe, um irgendwann in meinen süßen schmerzfreien Schlaf hinüberzudämmern. Wir sitzen im Zimmer: Maria, ihr Mann und ich. Trinken Crémant, ihr wisst schon, dieses Sprudelwasser aus der Champagnertraube, die aber nicht in der Champagne wächst und daher darf sich dieses Zeug auch nicht Champagner nennen. Ich bin wirklich verrückt, schmunzle ich in mich hinein. Aber das Leben findet nunmal jetzt statt. Also wir trinken Fake-Champagner und sprechen: übers Leben. Nicht über meine Krankheit.
Ich durfte ja bereits am Morgen vor meiner OP Marias Hintern betrachten– den Ort Nummer zwei des Geschehens. Dort haben Sie ihr links und rechts jeweils ein Stück herausgenommen und daraus eine wundervolle Brust modelliert. Und ganz ehrlich, sie ist wirklich gelungen. Die Originalform, sie sieht aus wie das Original. Nur vielleicht noch einen Ticken schöner. Maria zeigt mir Bilder von ihren Nacktaufnahmen vor der OP. Wirklich wundervoll ästhetische Nacktbilder einer „Durchschnittsfrau“. Kein Supermodel und keine Superstar. Einfach einer wunderschönen, sportlichen Frau. Maria hat sich viel mehr Gedanken über die OP gemacht als ich. Ist klar. Schließlich ist sie Trägerin des BRCA1-Gens. Dies bedeutet: Ein Lebenszeitrisiko an Brustkrebs zu erkranken von 80% bis 90 %, das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken beläuft sich auf 20% bis 30%. Maria ist die letzte überlebende Frau in Ihrer Familie und soll ich euch was sagen, mit Ihrer Entschlossenheit Entscheidungen in die richtige Richtung zu treffen, wird sie auch die erste Frau dieser Familie werden, die bis in hohe Alter den Männern den Kopf verdrehen darf.

Gut gemacht Maria! Ich bin stolz auf solche Frauen, Frauen die zu sich zum Leben, zu ihren Entscheidungen stehen. Und nicht zaudern, ihre angeborene Weiblichkeit gegen eine neue austauschen.

André Tappe für Thaller Media

(c) André Tappe für Thaller Media

… Von wegen. Zwei Aufzugfahrten später sitze ich wieder in meinem Zimmer. Notfall. Ich muss noch warten.

Endlich ist es so weit – oder die skurrile Atmosphäre vor der OP
Ich liege auf meinem OP-Bett und bekomme den Zugang für die Infusion gelegt. Kein leichter Akt für die Narkoseschwester. Bevor sie vergeblich im Arm nach einem leichten Zugang sucht, schlage ich ihr vor doch den Handrücken zu nehmen, bis dato hat das immer geklappt bei mir. Und ja, ich weiß, dass diese Stelle am Körper echt schmerzt, wenn die Nadel unter die Haut in die Ader geschoben wird. Aber, ich kann mich aber auch nur zu gut daran erinnern, wie sehr es schmerzte, als die letzte Narkoseschwester nicht fündig wurde und mir den Arm förmlich zerstochen hat, um dann doch den Zugang auf dem Handrücken zu legen. Dann doch lieber gleich so. Fuck. Das tut wirklich weh.

„Der OP muss noch geputzt werden, Frau Thaller. Wir sind gleich so weit.“
Ich liege also gefühlte Ewigkeiten da und warte, starre auf die Beleuchtung im Vorraum und warte. Betten werden vorbeigeschoben, die wartende Patientin neben mir abgeholt. Putzpersonal geht vorbei … ich warte. „Wissen Sie was, ich schiebe Sie jetzt gleich in den OP und wir machen die weiteren Vorbereitungen dort. Und sobald alles fertig ist, legen wir los.“ Nun gut. Stellt euch vor, ich liege also unter diesen OP-Leuchten und plaudere mit der Schwester. Währenddessen montiert sie zwei „Armausleger“ auf welchen meine Arme dann festgeschnallt werden. Ein Beruhigungsmittel hat bis dato meinen Körper noch nicht erreicht. Ich muss an etwas anderes denken. Ich drehe gleich durch. Ich stehe nicht auf Fesselspiele und schon gleich gar nicht im OP. Und ich frage mich, warum all dies Schwestern nicht aussehen, wie in den hübschen TV Serien aus den USA. Meine Güte, welch schaurige Gedanken habe ich. Als ob es nicht völlig egal ist, wie diese Damen aussehen, wo sie doch alle so freundlich sind.

Erleichterung in Sicht
Die Narkoseärztin. Endlich. Wegdämmern. Angst? Fehlanzeige. Sie spritzt mir ein Mittel, es fließt kühl in die Adern, wenige Atemzüge später bin ich weg. Und Augenblicke weiter, wache ich auf. An einem anderen Ort. Ich bin entspannt. Schlummere wieder weg und wache nochmals auf, als Plastischer Chirurg vor mir steht und mich frägt, ob er mich nach der Fallkonferenz am nächsten Donnerstag um 21.00 Uhr noch anrufen soll, oder lieber am darauffolgenden Tag. „Darauffolgender Tag.“, antworte ich und dann bin ich wieder weg. Sie sollen mich doch alle in Ruhe lassen, ich will jetzt schlafen und zwar so lange, bis ich wach bin. Was ich dann irgendwann bin.

Die Schwester im Aufwachraum
Die Unterhaltung mit der Krankenschwester ist klasse. Wir sprechen über mein Lieblingsthema, den Diagnostiker. Über den Plastischen Chirurgen, der mit die Brüste in einem halben Jahr neu modellieren soll. Über Chemotherapie, Haarverlust und all die Dinge, die nun anstehen. Ach ja und über meinen Friseur, dem ich in den nächsten Tagen den vorläufig letzten Besuch abstatten werden, um meine eigenen Haare nochmals so richtig aufpimpen zu lassen. Vier Tage später soll ich erfahren, dass sie bereits dort war und wiederum einen Tag danach treffe ich sie während der Nachkontrolle im Krankenhaus. Sie sieht toll aus und liebt meinen Friseur. Sein Verdienstausfall ist gerettet J.

Wenig später stehen wir gemeinsam am Fenster und genießen die frische, winterliche Abendluft. Die Schwester, der Blutbeutel und ich. 

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Der Tag startet früh, als die Kinder von einem Fest nach Hause kommen. Es ist kurz vor vier Uhr morgens. Ich hatte mir ohnehin um diese Uhrzeit den Wecker gestellt. Ich muss noch etwas fertig machen für unser EU-Projekt Interreg IVa. Am Sonntag war ich einfach mit Familie und mir beschäftigt und kam nicht so wirklich zum Arbeiten. Nun hole ich in zwei Stunden das auf, was mir sonst den Sonntag durcheinandergeschmissen hätte. Ich schreibe und bin pünktlich um 6.00 Uhr fertig. Duschen, packen, losfahren, alles läuft nach Plan.

Um 7.00 Uhr bin ich in der Klinik. Dort, wo ich meinen Sohn zur Welt gebracht habe. Eine schöne Klinik, direkt am Englischen Garten in München. Es ist wie vor 18 Jahren, die Menschen sind ausnehmend freundlich, die Klinik familiär. Ich überlege kurz, ob ich mir ein Einzelzimmer nehmen soll, sehe aber für eine Nacht davon ab. Zudem bin ich neugierig auf die Frauen, die mir begegnen. Wie sich herausstellt soll, ist das genau die richtige Entscheidung.

In meinem Zimmer liegen zwei Frauen, Maria, weil sie sich die Brüste vorsorglich aufgrund der genetischen Diagnose BRCA 1 hat abnehmen und mit ‘Material‘ aus dem Oberschenkel hat wieder neu gestalten lassen. Marla, hatte auch eine Sentinel-OP, darf heute wieder nach Hause. Marla erfahre ich, hat sich gleich alle weiteren befallenen Lymphkonten herausnehmen lassen und sich gegen Chemo entschieden. Mir stellen sich die Nackenhaare auf und ein Blick zu Maria bestätigt meine Gedanken. Begriffe wie Anthroposophie und alternativer Weg ereilen mein Ohr. Am liebsten würde ich Marla wachrütteln. Misteltherapie, all das ist ja recht und schön. Auch ich beschäftige mich mit alternativen Möglichkeiten, anschließend. Für mich steht fest, ich möchte die Errungenschaften der Medizin komplett ausschöpfen nutzen, um mein Risiko so gering wie möglich halten und dafür tue ich alles. Ich liebe das Leben, so einfach ist das!

Ich muss los, das Taxi wartet bereits. Eine kleine Stadtrundfahrt mit Stopover in der Radiologie. Dort wird mir das radioaktive Kontrastmittel zur Markierung des Sentinel gespritzt. Jener Lymphkontengruppe, die es gilt herauszunehmen, um zu sehen, ob und wie viele Lymphknoten dieser Gruppe bereits befallen sind.

Es ist ein langsames Erwachen
Dachte ich noch vor wenigen Augenblicken ich fände mich in meiner neuen Umgebung zurecht, so verschwimmen gerade eben die Lichtschalter hinter einer Nebelwand. Alles läuft nach Plan, bereits nach 15 Minuten ist der Wächterlymphknoten erkennbar. Weitere 30 Minuten später macht man eine erneute Aufnahme um schließlich anhand eines Messgerätes, welches die radioaktiven Strahlen der Injektion exakt wiedergibt. Dabei wird in der Achselhöhe der genaue Punkt markiert, an welchem das OP-Team dann den Schnitt für die Entnahme setzen muss.

Der Taxifahrer, der mich dort abholt, um mich in die Klinik zurückzufahren betrachtet mich unsicher – vielleicht bilde ich mir das auch ein. Nicht eingebildet habe ich mir allerdings den Satz: ‚ob ich denn überhaupt zu Fuß die Treppen gehen kann, oder sagte er möchte. Ich weiß es nicht mehr.‘ Ich musste lächeln. Wie ich doch die Menschen verunsichere. Ich plaudere mit ihm über belanglose Dinge.

Zurück im Krankenhaus
Da liegen sie, die Indizien der Operation: ein freundliches Nachthemd – hinten offen, die visuelle Offenbarung des Hinterns, gepaart mit halterlosen Gummistrümpfen, genial. Die Krankenschwester drängt: Ich solle mir schnell die Sachen überziehen, die OP stehe kurz bevor. 

Na dann spring ich mal in diese wunderbaren Klamotten, ziehe die Daunenjacke meiner Tochter an (die hatte ich mir ausgeliehen, um etwas familiäres dabei zu haben) und meine Uggs, setzte mich auf’s Bett und schreibe. Was gibt es besseres als in solchen Situationen zu schreiben? An mein Ohr dringt die Stimme der Alternativmedizin-Patientin Marla. Sie stört meine Gedanken, ich krame nach den Kopfhörern. Da kommt der Satz aus dem Nichts: „Frau Thaller, auf geht’s der OP wartet.“

8.45 Uhr, ich stehe in der Praxis der Radiologie, vier Stunden soll ich für diesen Termin einplanen. Also habe ich alles eingepackt, was ich zum Leben tagsüber benötige. Mein iPad, mein iPhone und mein MacBook.

Manches Mal fehlt einfach der Durchblick, aber das wird besser, wenn man den ersten Schritt hinaus wagt und sich den Dingen stellt. (c) iPhone Petra Thaller

Manches Mal fehlt einfach der Durchblick, aber das wird besser, wenn man den ersten Schritt hinaus wagt und sich den Dingen stellt. (c) iPhone Petra Thaller

Auf die Frage nach einem WLan-Netz ernte ich ein müdes Lächeln und den schnippischen Satz der Empfangslady „Wir haben hier auch kein Internet für privat“. Kein Netz, schreien mich meine mobilen Geräte an. Kein Netz. Okay, dann eben nicht. Dann eben Gala, Vogue und Harpers Bazar.

Erst ist die Lunge dran, dann wird das Kontrastmittel gespritzt, dann Ultraschall der Leber und des Bauchraums. Bingo. Alles fein. Kein versteckter Scheißkerl. Das Kontrastmittel muss zweieinhalb Stunden einwirken, ich möge doch ins Café gehen und ordentlich frühstücken und viel trinken, mindestens einen Liter. Ich fahre an meinen Schreibtisch und arbeite, trinke Tee und frühstücke.
Kurz nach zwölf bin ich wieder vor Ort, eine Kamera durchleuchtet meinen gesamten Körper und wieder: Bingo, da ist nichts. Keine weiteren Tumore höre ich den Arzt sagen, die Knochensubstand sehr gut.

Happy Birthday Frau Thaller, ich könnte Schreien vor Glück. Meiner Familie und meinen Freunden teile ich mit, dass ich ab sofort am 10. Februar, exakt 20 Tage nach der Erstdiagnose, meinen zweiten Geburtstag feiere. Jawohl, es ist nur Brustkrebst. Wie genial ist das denn. Und wie schön es nun auch wirklich zu wissen.

Besucht beim Plastischen Chirurgen
Am gleichen Tag, eine Stunde später sitze ich in einer superschicken Praxis von Prof. Fansa, er ist plastischer Chirurg, spezialisiert auf die weibliche Mamma. Ein sympathischer Typ. Auf dem Fensterbrett liegen Brustimplantate verschiedener Größen. Aber so weit sind wir noch nicht, nicht am heutigen Tag. Er bespricht mit mir die Entnahme des Sentinel. Dann werden meine Brüste aus vier Perspektiven fotografiert, sofort ein Termin mit dem Anästhesisten vereinbar. Ich möge mich beeilen, dann kann das Blut noch gleich heute abgenommen werden und eingeschickt.
So sollte es dann auch sein. Parkplatz vor der Praxis in der Sonnenstraße gecheckt. Blut abgenommen, Lungenfunktion getestet, EKG, ein Arztgespräch, ein Anästhesiegespräch, die Ärztin ist gerade mal dreißig himmeljung und cool.

Für die erste OP ich bin also gut vorbereitet. Nach einem acht Stunden-Ärztetag sitze ich endlich am Schreibtisch. So richtig viel schaffe ich nicht, ich bin mit freuen beschäftigt und mit Geburtstag feiern. Ein cooler Tag in die absolut richtige Richtung. Da saß echt ein Meister am Drehbuch.