(c) Saskia Rösch

Sind es nicht meist die kleine Ideen, die, die im Verborgenen entstehen, die uns auf neue, zuweilen auch bessere Wege leiten? Vor gut einem Jahr wurde ich in Sachen Changemaker – Wegbereiter seitens Ashoka gleich von mehreren Leuten interviewt, ob denn Outdoor against Cancer (OaC) unterstützenswert wäre oder nicht. Die Quintessenz nach unzähligen Stunden, Reisen nach Berlin und mehreren Lunch Terminen war nein.

Eines der Argumente war, dass OaC es sicherlich auch ohne beratende Unterstützung schaffen werde, davon waren die Leute in jedem Falle überzeugt und sie sollten Recht behalten.

Ein Jahr später ist unser Buch: Outdoor against Cancer: Wie Bewegung und Sport in der Natur im Kampf gegen Krebs wirken – Schnellere Genesung, mehr Lebensqualität, bessere Prognosen Kailash / Random House erschienen, mit wahrhaft sehr, sehr guter Resonanz. Wurde unser ERASMUS+ Sport Förderantrag, im Lead immerhin die Technische Universität München: Outdoor against Cancer: move yourself, go out and live‚ OaC: my goal (an dieser Stelle sage ich danke an Dr. Thorsten Schulz für seine absolut kreative Schöpfung) von der Europäischen Kommission mit Förderung belohnt (29 von 30 Relevanzpunkten für Europa!). Stehen wir vor einem zweiten EU-Förderantrag, dieses Mal handelt es sich um ein Interreg Alpine Space-Projekt mit dem bezeichnenden Namen EARtH (nochmals Danke an Thorsten). Hierbei handelt es sich um die Verbindung von Gesundheit – Tourismus – Alpenraum. Ein Projektgebiet, das bis dato in der gesamten Förderperiode absolut unterrepräsentiert ist.

„Unberührte Natur und einige der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas liegen im Alpenraum dicht nebeneinander. Die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Alpenregion durch gemeinsame Aktivitäten zu steigern ist ein übergeordnetes Ziel des Alpenraumprogramms. Das Programm bringt Akteure aus verschiedenen thematischen Sektoren und unterschiedlichen politischen Handlungsebenen aus den sieben Alpenstaaten zusammen. Und zwar genau in solchen Themenfeldern, in denen transnationale Kooperationen für nachhaltige Lösungen und eine nachhaltige Regionalentwicklung erforderlich sind. Partner arbeiten in Projekten zusammen, um gemeinsame Herausforderungen anzugehen, Ideen auszutauschen, zu testen und umzusetzen. Sie teilen ihre Erfahrungen und ihr Wissen, mit dem Ziel die Lebensqualität von 66 Millionen Menschen in einer einzigartigen Region zu verbessern.“, Interreg Alpine Space Program.

Mit einem sehr kleinen, engagierten Team entwickeln wir Konzepte, unter anderem für Betriebliches Gesundheitsmanagement, in deren Vordergrund die nachhaltige Motivation der Mitarbeiter steht und nicht, wie bei den meisten Ansätzen des Betrieblichen Gesundheitsmanagement, der Verkauf von Trainingsstunden und Fitnessräumen. Denn eines steht fest. Eine Vielzahl von Erkrankungen könnten wir selbst durch motivierende Bewegungsansätze im täglichen Leben verhindern. Wenn jemand Sport at Heart treibt, dann bleibt er dabei. Was passiert jedoch mit all denjenigen, denen Sport schon in der Schule mühselig war? Wie motiviere ich diese Menschen sich zu bewegen. Unser BGM hat hierfür die optimale Lösung parat.

Eine weitere Frage, die wir uns im Team stellen ist jene: Ist es denn immer notwendig, dass erkrankte Menschen alles bezahlt bekommen. Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch. Entsteht die Motivation daraus, dass mir von außen Geld zufließt, oder sollte ich als erkrankter Mensch verstehen, dass ich selbst in Aktion treten muss, damit es mir neben der medizinischen Therapie besser geht. Wir sprechen hier nicht von denjenigen, die nichts haben, sondern von den Anspruchstellern, die ausreichend monetäre Möglichkeiten haben und in der Krankheitskrise dann doch auch alles umsonst wollen.

Deutschland ist ein Paradies für Erkrankte, niemand bleibt hier unversorgt. Jedoch die persönliche Prävention kann nicht in der öffentlichen Hand liegen, auch nicht bei den Krankenkassen. Dafür müssen wir als mündige Bürger selbst sorgen. Und ja, auch selbst bezahlen.

Auch hierzu haben wir eine Lösung, zumindest für die Zeit der Therapie im Rahmen der Therapiebegleitung, entwickelt. Ein an die Kliniken angeschlossenes Bewegungsprogramm, das fester Bestandteil der Therapie ist. Das ist ein absolut neuer Weg. Weg von der medizinischen Einrichtung, raus in die frische Luft. Anderes sehen, riechen und spüren. Familien und Freunden die Möglichkeit geben mit in Aktion zu treten, um nicht zuletzt die Angst vor dem Damoklesschwert der Krankheit zu verlieren. Einen gangbaren Weg aufzeigen. Einen, der neue Perspektiven, neue Blickwinkel öffnet.

Wir stellen uns den Herausforderungen der Gesellschaft, mit Nachdruck und geben nicht auf. Wenn die European Commission die Relevanz von Outdoor against Cancer sieht, wenn die Begründung der Relevanz unserer Arbeit nicht eindeutiger hätte ausfallen können. Dann sollte sich das die Bundesregierung auch einmal auf ihre Fahnen schreiben, anstatt mit dünnen Argumenten unsere Anfrage nach finanzieller Unterstützung für Aufklärungskampagnen in Bezug auf Bewegung als Prävention vor Krebserkrankungen abzutun.

Sehr geehrte Frau Thaller,
mein Referatsleiter, Herr Dr. Helou, hat mir Ihre an ihn gerichtete E-Mail vom 2. November 2017 zugeleitet mit der Bitte um Prüfung, inwieweit eine Förderung der von Ihnen geplanten Maßnahmen im Rahmen der Kampagne „Geh raus!“, einer Initiative von Outdoor against Cancer, möglich sei. 
Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass dem Bundesministerium für Gesundheit eine Finanzierung der von Ihnen skizzierten Maßnahmen im Rahmen der hier in nur sehr begrenztem Maße zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel für Projektförderungen nicht möglich ist.
Ich wünsche Ihnen aber sehr, dass es Ihnen gelingen möge, die Maßnahmen anderweitig zu finanzieren.Mit freundlichen Grüßen, auch im Namen von Herrn Dr. Helou

Im Auftrag
Peter Larbig
Referat 315 – Nicht übertragbare Krankheiten
Bundesministerium für Gesundheit

Seit nunmehr zwei Jahren versuchen wir alles in unserer Macht stehende, öffentliche Stellen dazu zu bewegen uns zu unterstützen. Mein Schreiben, das ich kürzlich an unsere Bayerische Staatsministerin Huml gesendet habe, wurde folgendermaßen ‚abgetan‘:

Sehr geehrte Frau Thaller,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 18. Juli 2018, in dem Sie Frau Staatsministerin Huml über Ihre Kampagne „Outdoor against Cancer“ und Neuigkeiten seit Ihren letzten Nachrichten vom 21. August sowie 5. Dezember 2017 informieren. Frau Staatsministerin hat uns gebeten, Ihnen zu antworten.
Es freut uns sehr, dass Sie Ihre Pläne weiter voranbringen konnten. Mit Ihren Projekten motivieren Sie von Krebs betroffene Menschen zu mehr körperlicher Bewegung, um einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu nehmen. Bezüglich einer Unterstützungsmöglichkeit für Ihre Kampagne im Rahmen unserer Initiative Gesund.Leben.Bayern. können wir Ihnen jedoch leider keine andere Antwort geben als bisher; wir verweisen hier noch einmal auf unsere Nachricht vom 13. Dezember 2017. …

Wir empfehlen Ihnen – soweit noch nicht geschehen – eine Kontaktaufnahme mit der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. (Nymphenburger Straße 21a, 80335 München, E-Mail: info@bayerische-krebsgesellschaft.de) sowie mit der der Geschäftsstelle zur Landesrahmenvereinbarung Prävention in der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. (Meglingerstraße 7,  81477 München, E-Mail: info@lzg-bayern.de). Außerdem regen wir an, sich hinsichtlich der Unterstützung für Aktivitäten der Krebsvorbeugung an die Zentrale Prüfstelle Prävention zu wenden (www.zentrale-pruefstelle-praevention.de). Diese Stelle zertifiziert Leistungen der primären Prävention und Gesundheitsförderung, die zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherungen erbracht werden können.

Wir hoffen, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Wir danken sehr für Ihren Einsatz für krebskranke Menschen und wünschen Ihnen viel Erfolg dabei.

Mit freundlichen Grüßen

Veronika Weber
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege
Referat 52 – Gesundheitsförderung und Prävention, Medizinische Fachangelegenheiten

Es ist wohl absolut notwendig unkonventionelle Wege der Aufklärung zu gehen. Wege, die bis dato noch niemand beschritten hat. So wurde ich kürzlich als Pressesprecherin für das Weltweit erste Damenteam im Automobil-Rennsport bestellt, als Teammitglied. Peak-Veranstaltung 2019 das 24h Rennen Nürburgring. Der Rennstall: WS Racing – ein wunderbares Team von Rennsport begeisterten Machern, die zum einen die Vision teilen, dass es für uns Frauen kein Ding ist im Team hervorragend zu arbeiten und auch in einem von Männern dominierten Feld unsere Bestleistungen zu bringen. Warum es bis heute nicht viele Frauen im Automobil-Rennsport gibt? Keine Ahnung, vielleicht interessiert es weniger Frauen als Männer, aber diejenigen, die es interessiert sollten unumwunden die Möglichkeit haben – ohne Einschränkung – in diesem Gebiet ihre Leistungsfähigkeit zeigen zu dürfen.

Dass sich dieses Damen Team zudem stark für Prävention und Vorsorge im Rahmen von Brustkrebserkrankungen macht, ist stark, sehr stark sogar. Noch viel stärker ist die Entscheidung der Sponsoren, diesen Weg mitzugehen. Wir sind zwar Outdoor against Cancer und damit verbindet man richtigerweise natürliche Umgebung, wozu eine Rennstrecke nur mit Einschränkung zählt. Jedoch wird es uns durch privates Engagement des Rennstalls und der medialen Power der Kooperationspartner und Sponsoren gelingen, das Thema der Bewegung, des Sports als Prävention vor einer Krebserkrankung endlich in der Gesellschaft zu verankern.

Wir freuen uns jeden Tag auf unsere Herausforderungen und versuchen Stolpersteine wegzulächeln.

Stay tuned, Eure Petra, Gründerin von Outdoor against Cancer, Dickkopf und Wegbereiterin

HAPPY WEEKEND 

www.petrathaller.de

Lachende Augen, fröhliches Gekreische oder einfach nur Dankbarkeit – immer wieder erleben wir den Beweis dafür, wie wunderbar es ist andere Menschen glücklich zu machen und damit das eigene Leben zu versüßen.

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Skidoo fahren bei Minusgraden in Schwedisch Lappland – love it!

Was mit einem Donnerschlag am 21sten Januar in mein Leben trat, wurde zu meinem großen Glück. Es ist so. Nachdem die ersten Wochen vergangen waren und die erste und zweite Chemotherapie überstanden, der Schädel kahl rasiert und der Verstand ja zu dieser Lebensphase sagte, hatte ich wieder Kraft voranzuschreiten.

Kraft ist mein Lebenselixier.
Sie macht mich lebendig und lässt meinen Verstand sprühen. So konnte ich, trotz der miesen Krankheit beruflich voranschreiten, Erfolge einheimsen und das Fundament für Outdoor against Cancer #stayfitgethealthy, einer gemeinnützigen Organisation legen. Einer Organisation, die zunächst Menschen mir Krebserkrankung die Schönheit der Natur und die Wichtigkeit von Outdoor-Aktivitäten nahe bringen wird.

Nach finaler Gründung im Januar 2016 werden wir gemeinsam mit dem Brustzentrum der LMU München eine Studie durchführen, welche die positiven Auswirkungen von Outdoor-Aktivitäten auf Krebspatienten und -patientinnen belegen soll. Und das wird sie, so viel ist sicher.

In einem zweiten Schritt wird es eine OaC-Ausbildung für jene Menschen geben, die interessierte Krebspatienten mit in die Natur nehmen. Gedacht ist hier in erster Linie eine Zusammenarbeit mit den Bergwanderführern, Fitnesstrainern, Yogalehrern, um nur einige zu nennen. Diese Ausbildung wird 3 x 3 Tage dauern und medizinische, sportwissenschaftliche und alpine Aspekte beinhalten. Mit diesen OaC-zertifizierten Trainern werden dann länderübergreifend Outdoor-Aktivtäten angeboten werden.

Ebenso im Plan ein OaC-Dorf, welches krebserkrankten Menschen nach der Therapie die Möglichkeit geben wird in alpiner Landschaft zu gesunden. Dies war nur ein kleiner Auszug aus dem, was bis dato entwickelt wurde.

Kein Wunder also, dass ich mich zu den glücklichen Menschen zählen kann. Ein wenig fehlen mir die Worte für all die Dinge, die mir gerade während meiner zehntägigen Auszeit in Schwedisch Lappland durch den Kopf gehen.

Mit Unterstützung von meinen Freunden Christoph Lefkes und Kurt Löffelmann ist bereits ein ganzheitliches Konzept für OaC entstanden – jetzt geht es nur noch darum, unseren Visionen final Gestalt zu geben. Ein wunderbares Gefühl. 

Bereits vor finalem Gründungsstatus hatten wir eine riesige Anzahl von Unterstützern, die uns geholfen haben Speed auf dieses Thema zu bringen.

Mein besonderer Dank gilt den Kollegen und PR-Agenturen die über OaC berichtet haben und uns damit an der Verbreitung der Message unterstützen. Natürlich den finanziellen Unterstützern, die unseren Start erst ermöglichten wie Lowa Sportschuhe GmbH, BERG Outdoor, Klean Kanteen, European Outdoor Group, Outdoor Messe Friedrichshafen und Buff. Und natürlich all den Firmen und Partnern, die uns ihre Unterstützung für 2016 bereits zugesagt haben.

All das war nicht immer leicht im vergangenen Jahr, aber jede investierte Sekunde war es wert – wert für die Menschen da draußen, denen OaC in Zukunft helfen wird und auch für mich.

In diesem Sinne wünsche ich  friedliche Feiertage und einen guten Start in das Jahr 2016.

Jochberg Rechter Gully  Germany  Petra Thaller  Franz Perchtold 135

„Auch Erinnerungen helfen glücklich und zufrieden zu sein. Der große Vorteil, wenn mal alles nicht so läuft wie man es sich wünscht. Wir arbeiten jeden Tag an späteren Erinnerungen, also packen wir es an.“ Petra Thaller © Klaus Kranebitter, Ort: Jochberg Rechter Gully

Wenn ich mich in meinem Umfeld, ja nennen wir es Umfeld, das ist neutral, umsehe, dann habe ich sehr häufig den Eindruck, dass die Menschen förmlich danach schreien unglücklich zu sein. Seit einigen Tagen treibt mich dieser Gedanke um und ich bekam ihn nicht so recht zu fassen. Aber jetzt. Schon gestern wieder hatte ich im Café meiner Freunde ein interessantes Gespräch.


Ein Mann beklagt sich über seine Partnerin, sie sei auf ihr Aussehen fixiert. Ganz speziell auf ihre Haare. Die Worte seiner Schilderungen umschwirren meinen Kopf. Wort- und Buchstabenfetzen entstehen aus dem Gehörten und formieren sich zu einem Wort: Schwermut oder Depression. Ich kenne den Mann nur von Sehen und plötzlich höre ich mich sagen: „Hat Ihre Partnerin Depressionen?“ Erleichtert höre ich ein lautes, deutliches „Ja!“, und die Wolke um meinen Kopf wird größer und er spricht sich viel von der Seele – Details? Sie habe kein Selbstbewusstsein, höre ich. Details? Sind unwichtig. Ich muss gehen.

Seine Worte hallen nach …
Ich habe so viele Menschen um mich, die nicht glücklich sind. Und ganz ehrlich, von all jenen Personen ist nicht eine davon in wirklicher Not, unheilbar krank, krank ja, aber nicht unheilbar. Allerdings setzen sie ihren Gedankenfokus immerwährend auf das Negative. Die Haare (hässlich oder nicht vorhanden), die pralle Brust aus ihren frühen Zwanzigern – heute nicht mehr so schön, die Falten im Gesicht zu tief (bullshit), auf den Händen Altersflecken (lächerlich), der Nachbar ein schickeres Auto oder mehr Reisen. Der Chef ein A. , der Job ätzend. Also fokussieren sie sich entweder auf ihre Kinder – die sind dann mal einfach weg ab einem bestimmten Alter, ihr Aussehen (das wird zwar in meinen Augen nicht schlechter nur anders), ihren Geldbeutel (der bei den meisten die ich kenne ausreichend gefüllt ist) oder darauf, was die anderen von ihnen denken könnten. Das macht schrägt und ja, das macht schwermütig, schlechtlaunig und depressiv. Und so wird das Loch tiefer und tiefer, bis sie von selbst nicht mehr rauskommen. Und, auf die direkte Frage, ob sie Depressionen haben, schwermütig sind und sich nicht doch vielleicht fachlich helfen lassen möchten, kommt ein entschiedenes NEIN.

Wäre es nicht viel schöner
…wenn man den Blick Richtung Himmel richtet und sich über die Formation der Wolken freut. Einen tiefen Atemzug der kühlen Winterluft nimmt und sich über diesen freut. Wäre es nicht schöner, die geliebten vermeintlich ‚alten‘ Winterstiefel aus dem Keller zu holen, diese zu pflegen und damit in die kühle Zeit hinaus zu marschieren, anstatt wie verrückt nach ‚Neuen‘ zu suchen, um sie dann nach einem Jahr wieder im Keller verschwinden zu lassen und das Spiel von Neuem zu beginnen. Wäre es nicht schöner und glücklich machender neidlos zu sein. Okay, nun werden viele Menschen sagen, was für ein BlaBla – das mag in ihren Augen sein. Aber vornehmen, vornehmen kann man sich das allemal. Für niemanden ist das Leben immer leicht, auch wenn es so aussieht. Doch das Talent glücklich zu sein, das können wir lernen. Wir können versuchen das Schöne zu sehen. Denn so ist das Leben einfach leicher.

Der ersten Schnee in diesem Jahr
Heute beispielsweise schneit es zum ersten Mal in München und ich wäre so gerne in den Bergen, beim Skifahren. Geht aber nicht, da ich sonst alle die Dinge, die mir ebenso wichtig sind – z. B. diese Zeilen endlich einmal zu schreiben und hoffentlich damit anderen Menschen zu helfen – nicht schaffe. Also erfreue ich mich am morgendlichen Lauf, den Schneeflocken vor meinem Fenster, meinem Chai neben meinem Computer und an dem Wissen, dass Alles auf einmal eben nicht geht.

Wenn nicht glücklich, dann wenigstens ein wenig zufriedener sein – das ist schon mal ein Anfang.

Am vergangenen Wochenende ist mir ein Artikel untergekommen, den ich im Oktober 2012 auf Anfrage der Myself geschrieben habe:
Das Thema war: Über sich hinauswachsen. Etwas wagen, wovor man immer Angst hatte.

Der Titel meines Artikels lautete: Der Klaustrophobie davontauchen. Wenn Sie auf das Bild klicken, könnt Sie den Artikel von damals lesen.

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Myself Oktober 2012, S. 222

Es ist doch häufig so im Leben, dass man Angst vor einer Sache hat, aber eine Angst, die man nicht fassen kann. Und diese Angst lähmt. Macht unbeweglich. Warum nur haben die Menschen so viel Angst. Angst einen neuen, anderen Weg zu gehen, Angst verlassen zu werden, Angst gefeuert zu werden, Angst nicht gut genug zu sein, Angst nicht schön genug, tja und vor allem Angst krank zu sein.
Erziehungssache, Gesellschaftssache?
Im Grunde liegt es an uns diese Ängste erst gar nicht zuzulassen. Natürlich ist das schwierig und beinahe jeder kennt diese Unbeweglichkeit, dieses lähmende Gefühl den Anforderungen nicht gerecht zu werden, oder gar eben nicht mehr gesund zu werden.

Ich plädiere dafür lähmende Ängste über Bord zu werfen.
Oft verwechseln wir Respekt vor einer Sache mit Angst. Ich habe Respekt etwas zu tun, so oder so zu handeln, klingt doch gleich viel positiver. Und, es klingt aktiv. Wenn ich aktiv bin, mache ich etwas dagegen und lasse mich nicht fallen. Ich lasse mich nicht fallen heißt auch gleichzeitig, dass ich noch in der Lage bin zu handeln, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, den Blick nach vorne zu richten und nicht zu verharren.

Wir waren alle Kinder.
Das Leben prägt uns und vieles haben wir erlernt – von den Eltern, den Großeltern, Lehrern, Freunden und Kollegen – manches davon war und ist aber für uns persönlich nicht richtig. Erinnern Sie sich an die Zeit, als Sie ein Kind waren. Auch damals gab es ängstlichere und solche die sich vor nichts fürchteten. Die Mutigen waren eindeutig die Gewinner, sie haben mehr erfahren, auch mehr erlitten, aber sie haben auch mehr erlebt.

Wenn Sie also heute die Wahl haben in Angst zu verharren oder neu durchzustarten, welche Option wählen Sie? Nichts ist großartiger, als über den eigenen Schatten zu springen, es kann ja mit einem über den eigenen Schatten steigen anfangen, das Springen kommt dann automatisch dazu. Glauben Sie mir. 

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Plötzlich Prinzessin …© Sorin Morar und Thomas Straub

Versetzt euch mal zurück in eure Kindheit:
Ja auch ihr Männer. Die meisten Mädchen waren Indianerin oder Indianer, Cowgirls oder Cowboys , manch eine wollte Pippi Langstrumpf sein und die Jungs waren neidisch, dass es kein wirkliches männliches Pendant dazu gab und ganz viele Prinzessin – Prinz wollte ohnehin keiner werden. Richtig? Nun was ist all diesen ‚Berufsgruppen‘ gemein … genau, sie sind stark. Indianerinnen und Indianer kennen keinen Schmerz, Cowgirls und -boys sind einfach nur cool und tragen eine Waffe, um alles was ihnen und ihren Freunden ans Leder will wegzuballern. Pippi Langstrumpf ist nach wie vor das Sinnbild eines wilden, ungestümen Mädchens, einfach anders als die anderen, klar manchmal auch traurig, aber im Großen und Ganzen so, wie viele Mädchen sein möchten. Ja und Prinzessinnen sind  schön, elegant, stolz, gepflegt, wenn sie hinfallen, auch wenn dies in der Öffentlichkeit geschieht – stehen sie auf, richten sich das Körnchen und gehen weiter ihren Prinzessinnen-Weg.

Wir haben also die Wahl, mir gefallen alle vier Persönlichkeiten sehr gut, wobei ich die Prinzessin allen vorziehe. Nicht weil sie reich und schön ist, sondern die sprichwörtliche Attitude des Hinfallens, Aufstehens, Kronerichtens und Weitergehens gefällt mir sehr gut. Es sagt dabei ja niemand, dass es immer leicht ist.

Ich hatte gestern so einen Prinzessinnentag.
Nichts Dramatisches, aber für einen Menschen, der aufgrund der Geschehnisse in der Vergangenheit ohnehin schon einen recht engen Zeitkorridor, in welchem er sein Arbeitsleben frei gestalten kann, wirklich einschneidend. Ich habe meine Bestrahlungstermine bekommen: Diese finden spätabends statt, dann, wenn ich mir in den vergangenen Monaten, recht diszipliniert, meine Kraft im Schlaf geholt habe.

Das ist ein Kronenereignis.
Da muss sofort der Verstand greifen: Kinder und alte Menschen kommen tagsüber dran, kräftige, starke Menschen – Indianer, Cowboys oder -girls, Prinzessionen und Prinzen sowie männliche und weibliche Pippilangstrumpfs eben nachts. Ganz ehrlich, ich freue mich darüber unter der letzteren Gruppe zu sein,  auch wenn mich die Tatsache gestern wirklich erzürnt hat, weil ich eben so gerne schlafe.

So nehme ich nun meinen medizinischen Terminplan, trage ihn ganz diszipliniert in meinen persönlichen Kalender ein, versuche heute noch zwei Modifikationen mit der Strahlentherapie hinzubekommen, um zwei wichtige Geschäftstermine nicht umlegen zu müssen und werde dann die sechs Wochen eben in einem anderen Rhythmus leben.

Ganz Prinzessin eben!

Ich möchte es mit meinem Lieblingszitat beginnen:
Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht? G. B. Shaw

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Geh raus und lauf‘! © Sara Thaller

Es gibt immer mehrere Wege im Leben, ich beschreite immer jenen, den ich für mich für richtig und wichtig erachte. Niemals jenen, der vermeintlich einfach erscheint. Warum das so ist, weiß ich nicht. Es ist einfach so. Wenn andere sagen: Das geht nicht! Dann fühle ich mich geradezu angespornt es trotz aller Widrigkeiten zu versuchen. Ein gemütliches Leben ist nicht das meinige. Habe ich eine Vision, muss ich es zumindest versuchen, diese in die Tat umzusetzen. So verhält es sich auch mit Outdoor against Cancer.

Die Idee entstand auf einer meiner gemütlichen Skitouren während der Chemotherapie: Ich merkte wie Schritt für Schritt die Krankheit in den Hintergrund trat, Energie meinen durchaus geschwächten Körper durchströmte und meine Gedanken zu fliegen begannen … Wann kann ich wieder auf Expedition gehen? Wenn ich jetzt weiter trainiere, muss ich nicht von vorne anfangen! Ich muss das Kortison, das es sich langsam aber sicher  in Form von unschönen Pölsterchen an an Hüfte und Bauch gemütlich machte, wieder loswerden. Schritt für Schritt lösten sich auch diese Gedanken auf und ich erstarkte.

Egal was ich draußen unternahm, es war immer der gleiche Prozess … abschalten, Gedanken fliegen lassen, stark werden, den Kopf frei bekommen, Normalität – ein wunderbares Lebensgefühl.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es immer leicht war, den Fuß vor die Türe zu setzen, aber es war immer großartig. Jeder Augenblick draußen. Egal, ob beim Laufen an der Isar, beim Rennradfahren, auf kleinen Bergtouren, beim Kraft- und Ausdauertraining  in meinem geliebten Outdoor-Fitnessstudio am Entenweiher in München. (Standorte der Studios in eurer Nähe findet ihr unter 4F Circles.)

Jede große Idee beginnt im Kleinen und so folge ich nach und nach dem Motto: Beginnen gibt Stärke. Vollenden gibt Kraft. 

Es war ein langer Weg, voller Höhen und Tiefen, die ich wunderbar bewältigt habe.
Es gab Tage, an denen selbst mir der Sport draußen  nicht wirklich leicht fiel und Tage, an denen ich hätte Berge besteigen können – im Schneckentempo. Aber eines war sowohl den guten, als auch den schlechten Tagen gemein: Sobald ich draußen war, ging es mir besser. Daher habe ich beschlossen kein Wort mehr über die Vergangenheit zu verlieren und euch weiterhin an den positiven Dingen teilnehmen zu lassen, an den Geschichten, die es wert sind sie zu erzählen. Eingestreut wird es im Rückblick sicher den einen oder anderen Moment geben, den ich auch heute noch wichtig finde mitzuteilen.

Gipfelgespräch International Mountain Summit, Brixen © Michaela Wiese

Eines steht fest, die Chemotherapie, all die traurigen Dinge, die sich ereignen können, Ängste und Nöte, welche Betroffene und ihre Familien ereilen, werden zu Hauf in Foren und Blogs besprochen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Leider bekommen hierdurch die Menschen eben auch Angst. Furcht greift um sich und genau das möchte ich nicht. Es gibt nichts zu fürchten, denn all das was während der Therapie passiert, für eine die eine große Sache gut – zunächst für das eigene Überleben und schließlich für ein weiteres Leben mit den Menschen, die wir lieben und die uns lieben.

Mein letzter Post ist Monate her
Ich verspürte einfach keine Lust über die Krankheit zu schreiben. Wollte nicht in Konkurrenz mit Menschen treten, denen es ein riesiges Bedürfnis ist über ihr Leid zu sprechen. Vielmehr verspürte ich eine große Kraft in mir, Menschen mit Krebs zu helfen, so wie meine Kinder und meine Freunde mir halfen. All diese Menschen akzeptierten einfach meinen Tatendrang, mein: „Ich muss jetzt raus, ich muss mich spüren, ich muss spüren, dass ich noch Kraft habe.“ Zuzusehen, wie ein Mensch, der immer nur so vor Energie und Kraft strotzte, langsam aber sicher, trotz der regelmäßigen Outdoor-Aktivitäten, immer langsamer wurde. Früh zu Bett ging und morgens am liebsten liegen geblieben wäre, ist nicht leicht. Zu akzeptieren, dass dieser Mensch alles weiterhin selbst machen möchte, sich nicht helfen lassen, um die Normalität im Leben nicht zu verlieren, ist nicht einfach. Dafür möchte und muss ich an dieser Stellen all meinen Lieben danken.

„Kaum ziehe ich meine Bergklamotten an, fühle ich mich wie Batwomen, stark und bereit alles leisten zu können.“ Petra Thaller © Michaela Wiese

In den Monaten der Chemotherapie habe ich den Grundstein für mein viertes Baby gelegt
Outdoor against Cancer (OAC)– unter dem Motto #stayfitgethealthy haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Krebskranken Menschen und ihren Familien zu helfen. Sei es mit speziell ausgearbeiteten Touren in den Bergen, einem eigenen OaC-Dorf, wir wollen beratend zur Seite stehen und dafür sorgen, dass die wichtige Normalität aus dem Leben nicht verschwindet.

Mein ganz persönliches Engagement startet klein
Ab Mitte November werde ich zunächst ein Mal pro Woche mit Patientinnen des Brustzentrums der LMU München rausgehen, um mit ihnen die Magie des Outdoor-Trainings zu teilen. Eineinhalb Stunden draußen trainieren. Im Focus stehen dabei sanfte Bewegungen um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, Kraft und Ausdauer aufzubauen, den Kopf frei bekommen. Diese Stunden sollen dazu dienen den Patientinnen zu zeigen, dass Outdoor-Aktivitäten während der Chemotherapie und natürlich im Anschluss daran, ein wunderbarer Weg sind.

#stayfitgethealthy
Es geht nicht darum Höchstleistungen zu vollbringen, sondern darum fit zu bleiben und nach Möglichkeit zu gesunden.

THE NEW LOOK © Sorin Morar

Das hatte ich mir so gedacht und die ersten Tage gelang dies auch sehr gut. Laufen gehen, Fotoshooting mit Sorin Morar und Thomas Straub an einem Tag, Fotoshooting mit Sorin Morar bei mir Zuhause an einem anderen. Die Haare müssen ab, bevor ich sie verliere – und dann …

© Sorin Morar und Thomas Straub

Darf ich vorstellen: Olga. © Sorin Morar und Thomas Straub

Es ist ein lustiges Shooting mit Sorin und Thomas, irgendwie finden sich hier drei Menschen, die es wirklich gut miteinander können. Die beiden Fotografen sind mir sehr nahe, ich kann mich fallen lassen und meinen Gefühlen, meinen Emotionen freien Lauf lassen, offen, ohne Angst verletzt zu werden.  Bekannte Gefühle, jene, die Erinnerungen aus wach werden lassen, als ich als junge Frau mein Geld mit Moderationen verschiedener TV-Formate und beim Film verdiente. Kamerascheu bin ich also nicht geworden, das beruhigt. Dafür musste ich mit Schrecken feststellen, dass das Gesicht, wenn es ehrlich und ausdrucksstark abgelichtet wird, alt und ja, auch ein wenig müde wirkt. Aber irgendwie auch … schön. Ehrlich.

Am liebsten habe ich dieses Bild oben – Sorin’s Arm mit Olga, jener Errungenschaft, nach der ich lange gesucht habe, die ich unbedingt haben musste und nicht ein Mal getragen habe. Sie ist nicht ehrlich, passt nicht zu mir. Mit ihr komme ich mir vor wie eine Schaufensterpuppe. Instinktiv wusste ich das zu diesem Zeitpunkt schon. Später hat sich dies bestätigt. Olga gehört zwischenzeitlich einer jungen Frau, die hoffentlich glücklich mit ihr ist.

Ein seltsames Gefühl

Tag drei nach der ersten Chemotherapie macht sich in meinem Körper ein seltsames Gefühl breit, undefinierbar, seltsam. Das Kortison hält mich nachts wach und tagsüber fühle ich mich ein wenig schlapp. Also, gehe ich laufen, was sonst, laufen macht den Kopf frei und ich fühle mich danach jedes Mal glücklich und stark. Doch irgendwie mag dieses dumme Gefühl nicht schwinden. Es ist nicht greifbar. Nun so hangle ich mich durch die Tage, arbeite, mache Sport und organisiere meinen ‚Glatzentag‘.

„De wachn ja wieda“, © Selfi Andreas Ried

Mein Bergfreund Andi ist solidarisch und lässt sich auch eine Glatze rasieren – am gleichen Tag – und grinst … „de wachsn ja wieda“, typisch Andi, danke dir an dieser Stelle für deinen trockenen Humor!

Hairday: Oder wie die Friseurin verzweifelt

Nun ist er also da, der gefürchtete Tag, der Tag, an dem ich meine Haarpracht nun gegen Glatze tausche – bewusst mit die Haare abschneiden lasse, bevor sie mir büschelweise in wenigen Tagen ausgehen werden. Keine vorübergehende Kurzhaarfrisur, sondern einen Radikalschnitt – denn: „De wachen ja wieda“.

Bilder sind in diesem Falle sicher besser als Worte, daher gibt es nun Einblicke in die Prozedur des Haarschneidens – ungeschminkt und es gab keine Träne, außer die der lieben Friseurin. Meine Tochter Sara war mit dabei, ein kleines Familienfest der anderen Art.

Bilder sagen mehr als Worte

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Der erste Cut ist getan, alle sind erleichtert. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Sieht ja gar nicht so schlecht aus, wenn die Haarpracht runter ist. © Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Wir nähern uns an, Kurzhaarschnitt so viel weiß ich jetzt schon, kommt nicht in Frage 😉 © Sorin Morar

© Sorin Morar

Danke an die Tochter, dass sie diesem ‚Spaß‘ mitgemacht hat. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Not my style. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Schräg. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Viel Gesicht. © Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Final cut. © Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

© Sorin Morar

Ich sag nur Olga. © Sorin Morar

© Sorin Morar

Olga … immer wieder Olga © Sorin Morar

© Sorin Morar

Fremdkörper © Sorin Morar

© Sorin Morar

Geschafft … die Frage ist, wer war hier mehr erleichtert :-). © Sorin Morar

© Sorin Morar

Stilleben mit Haaren © Sorin Morar

© Sorin Morar

Na also, darf ich vorstellen, THE NEW LOOK © Sorin Morar

Sieht man es mir an? Ich bin froh, dass dieser Schritt getan ist. Froh, dass ich diesen Schritt weiter bin, denn jeder Tag ist ein Tag, der mich dem Ziel: Erfolgreiches Ende der Chemotherapie, näher bringt. Und ich habe einen Vorsatz, auch wenn es nicht immer ganz leicht fällt: Lebe dein leben, nimm es in die Hand, dann geht diese Zeit auch schnell vorüber.

Erste Chemotherapie (c) iPhone Petra Thaller

Es ist nun alles getan, sämtliche Untersuchungen sind erfolgt. Die Wächterlymphknoten entnommen und lediglich zwei waren von Metastasen befallen, der Port gesetzt, die genetische Untersuchung erledigt. Ich bin bereit für den nächsten Schritt: die erste Chemotherapie.

1. Chemositzung

1. Chemositzung (c) iPhone Petra Thaller

Es ist Montag, 3. März 2015 9.00 Uhr. 
Was auf mich zukommt weiß ich nicht. Ich sitze im Therapieraum von Dr. Sattler im Arabellahochhaus. Ikea lässt grüßen und nachdem ich wieder einmal nicht superpünktlich bin, erwische ich lediglich das letzte freie Sofa im Eingangsraum. Nun was soll’s. Bewaffnet mit leckerem Cappuccino, einem Croissant und einer leckeren Leberkässemmel aus dem Chocolatte meiner Freundin Yurdagül Balci, harre ich der Dinge die da kommen.

Ich werde über den Port mit den Chemikalien versorgt, so richtig erklärt wird mir nichts – ist ja schließlich für den Chemopfleger lediglich Routine. Für mich allerdings nicht. Nun, ich sitze also geduldig da und nehme die nächsten zweieinhalb Stunden einen Cocktail nach dem anderen zu mir. Ein roter ist auch dabei.

Die Zeit vergeht im Flug
Ich habe mein Laptop dabei und arbeite. Doch dann passiert das Unsägliche. Eine Frau meines Alters kommt mit ihrer Mutter (sie sitzt im Rollstuhl und kann sich nicht mehr artikulieren) in den Raum. Sie ältere Dame wird – bitte verzeiht den Ausdruck – direkt vor mir geparkt. In voller Montur, Hut, Mantel, wartet sie geduldig was nun passiert. Ich muss sie ständig anstarren, was mir richtig peinlich ist. Nun, die Tochter soll in der Apotheke um die Ecke ein Medikament für die Mutter besorgen. Für eine halbe Stunde kümmert sich niemand um diese Frau. Plötzlich taucht die aufgelöste Tochter wieder auf. Es entsteht ein kurzer Disput mit dem Chemopfleger, weil sie die Apotheke nicht gefunden hat. Welch ein Irrsinn. Die Rollstuhlfrau versucht sich einzumischen, daraufhin entfacht ein Streit zwischen Mutter und Tochter … wo bin ich nur hingeraten. Beschämt drehe ich mich weg.

Als ich kurze Zeit darauf wieder vom meinem Laptop hochblicke, sehe ich, wie der Chemopfleger den Pullover der älteren Frau hochhebt, mitten im Raum, ungeschützt vor fremden Blicken, und ihr eine Spritze in die Bauchdecke gibt. Ich bin entsetzt. Warum wird Intimsphäre nicht gewahrt? Warum gibt es keine Achtung dieser Frau gegenüber?

Die Szene ist irgendwann abgeschlossen, Mutter und Tochter haben die Praxis verlassen. Nach zweieinhalb Stunden, werde ich abgestöpselt. „Bis in drei Wochen Frau Thaller und trinken Sie viel!“ Das war’s? „Und nehmen Sie Ihre Tabletten, damit Ihnen nicht übel wird.“
Kein Info über wöchentliche Blutchecks, kein Hinweis, dass ich auf die Körpertemperatur achten muss, nichts. Das soll ich alles erst viel später von meiner Freundin Maike aus Lübeck erfahren.

Ich merke nichts
Im Anschluss an die erste Chemositzung fahre ich noch zu unsere Agentur, um mir den Fortschritt der Moutains4U anzusehen und die Umsetzung der Artikel zu besprechen. Eine seltsame Stimmung umfängt mich. Ich weiß nicht was passiert. Die Horrorgeschichten derer, die mir über die Therapie erzählt haben, stimmen mich ein wenig seltsam. Es ist einfach komisch nicht zu wissen was passiert.

Der Abend verläuft normal, ich trinke viel, esse mit den Kindern und gehe zu Bett. Ich bin richtig nervös, wache nachts ständig auf. Immer in Erwartung, dass irgendwas passiert – tut es aber nicht. Es passiert einfach nichts. Das kann ja nicht sein, ich bin keine Ausnahme! Sicher nicht! Nun, ich nehme alles so an, wie es eben ist und schlafe dann endgültig gegen Morgen tief und fest ein.

So könnte ein leeres Gesicht aussehen. Nur das mit dem leidenden Ausdruck wollte ich nicht aufnehmen. (c) iPhone Petra Thaller

Wie ich wohl ohne Haare aussehe, ohne Augenbrauen und ohne Wimpern. Kurzerhand greife ich zur Schere – nicht um mir die Haare zu schneiden, nein, um mir ein Stück Leukoplast von der Rolle abzuschneiden und über meine Augenbrauen zu kleben.

So  könnte ein leeres Gesicht aussehen. Nur das mit dem leidenden Ausdruck wollte ich nicht aufnehmen. (c) iPhone Petra Thaller

So könnte ein leeres Gesicht aussehen. Nur das mit dem leidenden Ausdruck wollte ich nicht aufnehmen. (c) iPhone Petra Thaller

Dann setze ich mir eine Mütze auf, verstaue meine Haarpracht unter selbiger und pudere mir mein Gesicht hell, farblos, transparent. Ich trete vor den Spiegel und betrachte mich erschrocken – jetzt noch der theatralisch leidende Gesichtsausdruck und ich bin das perfekte Krebs-Gesicht – scarry. Sara erschrickt. „Du spinnst, warum machst du das?“ Und dann, dann möchte sie es ebenfalls probieren. Mitgehangen, mitgefangen. Es ist nicht leicht für eine junge Frau solch eine Mutter zu haben. Eine, die alles als eine Challenge annimmt und die immer versucht, das Gute in der Sache zu sehen.

Nicht einfach, wenn ich dann auch noch sage, was ich doch für ein Glück habe, Krebs zu haben. Dass ich diese Erfahrung machen darf und dadurch vielleicht anderen Menschen helfen kann. „Mama, du spinnst“, kommentiert Sara wiederum meine Gedanken.

Der Port vor der ersten Chemo
Wie ich die Vorstellung verabscheue, dass in meinen Körper dieses Ding eingesetzt wird. Ein Fremdkörper, der nun mein Leben weiterhin begleitet. Ich bin in einer Tagesklinik in der Sonnenstraße, es ist 12.00 Uhr mittags. Parkplatz: vor der Türe, was sonst.

Sie sind schon dran Frau Thaller, kommen Sie bitte mit. Dann wird mir wieder eines der superschönen, hinternfreien Nachthemden gereicht, eine äußerst attraktive Kopfbedeckung, wie die Duschhauben in manchen Hotels und Überzieher für die Füße. Los geht’s. Ich bekomme ein Bett zugewiesen, den Zugang gelegt und warte. Dann kommt mein Operateur wir sprechen über den Port und ich erinnere ihn an meine Bitte unseres Erstgespräches, er möge mir den Port so setzen, dass ich noch problemlos einen Rucksack tragen kann. Er schmuntzelt. Und schon bin ich dran. In dem kleinen OP-Raum werde ich Zeugin eines Steitgespräches zweier Schwestern und höre mich fragen: „Na, wie lange sind Sie denn schon hier Ladies?“ Dann dämmere ich weg.

Es ist vollbracht, denke ich mir, als ich langsam wieder in den Wachzustand zurückdämmere, zwei OPs habe ich nun hinter mir. Es ist vollbracht. Jetzt bin ich bereit um meinen neuen Mitbewohner loszuwerden. Es ist der 24. Februar 2015.