(c) Hajo Netzer

Meine Brust hatte sich in den vergangenen Wochen verändert. Ich habe es ignoriert und diese Veränderung auf einen Sturz während meiner Expedition im vergangenen Jahr zurückgeführt. Ein Hämatom. Die Brust ist Sekundenschnelle nach diesem Sturz angeschwollen. Schmerz quälte mich, trotz der Einnahme von Schmerzmitteln und der wahrscheinlich besten ärztlichen Betreuung, die je einem Menschen in der Wildnis zu Teil werden kann.
Es war der drittletzte Tag unseres Ausfluges in die unbewohnte Natur von Irian Jaya. Ich wollte meinen Rucksack über den kleinen Fluss werfen, konnte mich aber nicht von ihm trennen und folgte ihm in das kühle Nass. Ungeschickt, wie ich eben manchmal bin. Ein unspektakulärer, linkischer Sprung, mit wahrhaft heilsamen Folgen für mich.

Filmische Dokumentation: (c) Dr. Georg Schlagbauer

Routineuntersuchung beim Gynäkologen
Ich vereinbare einen Termin bei meinem Frauenarzt, um meine jährliche Krebsvorsorge machen zu lassen und natürlich um die Brust akribisch anzusehen. Den nächstmöglichen Termin bekomme ich nicht bei meinem geschätzten Frauenarzt Dr. Stefan Koch aus München, der auch meinen Sohn auf die Welt brachte, sondern bei einer anderen Ärztin, die bei ihm in der Praxis arbeitet. Recht ist mir das nicht, ich bin in Arztsachen eigen. Wie in so vielen anderen Dingen. Aber nun gut. Mir schien es angebracht dieses Mal eine Ausnahme zu machen. Die Ärztin untersucht natürlich auch meine Brüste, tastete. Macht einen Ultraschall und auch hier ist sich nicht sicher, was dieses Ding da in meiner Brust sein kann – Hämatom, oder … daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

In jedem Falle bekomme  einen zeitnahen Termin bei meinem Frauenarzt, zwei Tage  vor Weihnachten. Ich soll eine Mammographie machen, zur Sicherheit. Wir vereinbaren einen weiteren Termin im Neuen Jahr. Ich möge mich aber zuverlässig melden, wenn sich an der Brust etwas verändert, seine Handynummer habe ich ja.

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Fotos entstand während des ersten Fotoshootings für meinen Blog.

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Fotos entstand während des ersten Fotoshootings für meinen Blog.

Mein ganzes Leben lang hatte ich keine Angst. Ich hatte weder Furcht, als ich das Elternhaus verließ, noch davor in die Welt hinaus zu gehen, um Abenteuer zu erleben. Keine Angst zu versagen. Ich wusste, dass ich in mir stark bin, schon immer.

Meine große Stärke
Wie jeder andere Mensch habe ich natürlich auch gejammert. Das gehört schließlich zum guten Ton. Gejammert „ich schaffe das nicht, die hauen mich übers Ohr, ziehen mich über den Tisch“ und trotzdem habe ich mich immer wieder von Neuem in diesen Sturm da draußen gewagt und erst, wenn es richtig kühl und windig wurde, wuchsen mir Flügel, funktionierte mein Kopf präzise und ich begann zu fliegen.

Immer wieder erlebte ich Bruchlandungen, stand auf und schritt wieder hinaus in den Sturm und wurde von Mal zu Mal stärker. Meine Flügel erstarkten zu Adlerschwingen und ich begann mit dem Sturm zu spielen, mich ihn im wohl zu fühlen.

Nicht zuletzt, weil der Großteil meiner Freunde mich in meinem Tun bestärkten und es auch weiterhin tun. Dafür ein riesiges Dankeschön an alle, die mir immer vertraut haben!

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Bild entstand während des ersten Shootings für meinen Blog.

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Bild entstand während des ersten Shootings für meinen Blog.

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Bild entstand während des ersten Shootings für meinen Blog.

Es gibt bleibende Ereignisse im Leben eines jeden Menschen. Die eigene Geburt soll dazu gehören – erinnern kann ich mich nicht daran und wenn ich so ehrlich sein darf, möchte ich das auch nicht. Die Vorstellung ist abstoßend. Es ist wohl eines der einzigen Themen im Leben, über das ich mit noch beinahe niemandem gesprochen habe.

Meine Kinder amüsieren sich über die Vorstellung aus mir herausgeschlüpft zu sein und ziehen dabei aber ein angeekeltes Gesicht. Aus ihrem Mund kommt so etwas wie Kopfkino und igitt. Ich kann das zutiefst verstehen.

Wahrhaft bleibende Ereignisse sind Kindergarten, das Bett der Großeltern, Kindergeburtstage, Einschulung und Grundschule, das Gefühl abgewiesen zu werden. Das wunderbare Gefühl Ski unter den Füßen zu haben, nackt Baden im Meer, Schulabschluss und Studium – die eigene Hochzeit. Die eigene Scheidung hingegen verblasst, obwohl sie sicher zu den einschneidenden Begebenheiten zählt.

Ja und dann gibt es in meinem Leben, trotz aller Höhen und Tiefen, die ich immer sehr gut durchschifft habe noch ein weiteres, ein einschneidendes Ereignis, eines, das ich annehmen musste wie einen guten Freund, um daran nicht zu verzweifeln um dran zu wachsen: Krebs.