8.45 Uhr, ich stehe in der Praxis der Radiologie, vier Stunden soll ich für diesen Termin einplanen. Also habe ich alles eingepackt, was ich zum Leben tagsüber benötige. Mein iPad, mein iPhone und mein MacBook.

Manches Mal fehlt einfach der Durchblick, aber das wird besser, wenn man den ersten Schritt hinaus wagt und sich den Dingen stellt. (c) iPhone Petra Thaller

Manches Mal fehlt einfach der Durchblick, aber das wird besser, wenn man den ersten Schritt hinaus wagt und sich den Dingen stellt. (c) iPhone Petra Thaller

Auf die Frage nach einem WLan-Netz ernte ich ein müdes Lächeln und den schnippischen Satz der Empfangslady „Wir haben hier auch kein Internet für privat“. Kein Netz, schreien mich meine mobilen Geräte an. Kein Netz. Okay, dann eben nicht. Dann eben Gala, Vogue und Harpers Bazar.

Erst ist die Lunge dran, dann wird das Kontrastmittel gespritzt, dann Ultraschall der Leber und des Bauchraums. Bingo. Alles fein. Kein versteckter Scheißkerl. Das Kontrastmittel muss zweieinhalb Stunden einwirken, ich möge doch ins Café gehen und ordentlich frühstücken und viel trinken, mindestens einen Liter. Ich fahre an meinen Schreibtisch und arbeite, trinke Tee und frühstücke.
Kurz nach zwölf bin ich wieder vor Ort, eine Kamera durchleuchtet meinen gesamten Körper und wieder: Bingo, da ist nichts. Keine weiteren Tumore höre ich den Arzt sagen, die Knochensubstand sehr gut.

Happy Birthday Frau Thaller, ich könnte Schreien vor Glück. Meiner Familie und meinen Freunden teile ich mit, dass ich ab sofort am 10. Februar, exakt 20 Tage nach der Erstdiagnose, meinen zweiten Geburtstag feiere. Jawohl, es ist nur Brustkrebst. Wie genial ist das denn. Und wie schön es nun auch wirklich zu wissen.

Besucht beim Plastischen Chirurgen
Am gleichen Tag, eine Stunde später sitze ich in einer superschicken Praxis von Prof. Fansa, er ist plastischer Chirurg, spezialisiert auf die weibliche Mamma. Ein sympathischer Typ. Auf dem Fensterbrett liegen Brustimplantate verschiedener Größen. Aber so weit sind wir noch nicht, nicht am heutigen Tag. Er bespricht mit mir die Entnahme des Sentinel. Dann werden meine Brüste aus vier Perspektiven fotografiert, sofort ein Termin mit dem Anästhesisten vereinbar. Ich möge mich beeilen, dann kann das Blut noch gleich heute abgenommen werden und eingeschickt.
So sollte es dann auch sein. Parkplatz vor der Praxis in der Sonnenstraße gecheckt. Blut abgenommen, Lungenfunktion getestet, EKG, ein Arztgespräch, ein Anästhesiegespräch, die Ärztin ist gerade mal dreißig himmeljung und cool.

Für die erste OP ich bin also gut vorbereitet. Nach einem acht Stunden-Ärztetag sitze ich endlich am Schreibtisch. So richtig viel schaffe ich nicht, ich bin mit freuen beschäftigt und mit Geburtstag feiern. Ein cooler Tag in die absolut richtige Richtung. Da saß echt ein Meister am Drehbuch.