Einfach weiterleben!

Mir zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern. Die nächsten Tage steht noch ein Termin beim Onkologen an, beim Operateur und ein alles entscheidender Termin zum Staging.

Einfach weiterleben! (c) iPhone Petra Thaller

Einfach weiterleben! (c) iPhone Petra Thaller

Mit dem Onkologen komme ich gut zu Rande. Er ist ein neutraler, freundlicher Mensch, der mir bestätigt, dass man heil aus der Sache rauskommen kann. Er ist wichtig, aber nicht vordergründig für mich. Ich kann mich auch nicht an seine Worte erinnern, dafür aber an meine, wie ich mich wieder über meinen Diagnostiker beschwere. „Er ist ein herausragender Diagnostiker“, höre ich ihn sagen, mehr nicht.

Während des Gespräches erfahre ich die nächsten Schritte: Zunächst das Staging. Hier wird nachgesehen, ob Knochen, Leber und Lunge frei sind. Danach ein Termin mit dem Plastischen Chirurgen zur Entfernung des Sentinel, des Wächterlymphknotens, um diesen dann zu untersuchen, ob er bereits befallen ist, oder nicht. Danach ein Termin beim Chirurgen zum Einsetzen des Ports, über welchen die Chemo in den Körper geleitet wird. Ich habe keine Angst, das ist beruhigend, sehr sogar.

Die nächsten Tage sind toll
Ich kann mich wieder voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren, mache Sport,  wunderbar. So mag ich das. Keine schwarzen Gedanken, keine Ängste, ich nehme das Leben in die Hand. Rufe bei der Krankenkasse an, um einige Dinge zu klären und beim Amt für Familie und Soziales. Hier lass ich mir schon mal den Schwerbehinderten-Fragenbogen zusenden. Das weiß ich noch von meiner Mutter. Krebs bedeutet nicht nur Krankheit, sondern auch Steuervergünstigung und Behindertenausweiß.

Meine Freunde finden mich skurril. Behindertenausweis, Steuervergünstigung. Ich organisiere meine Termine für die ispo in München.

„Warum tust du dir das jetzt an?“, fragen einige Freunde. Weil das Leben weiter geht, auch während und nach der Krankheit. Und genau das ist der Schlüssel zum Glücklichsein. Das Leben geht weiter und findet im Hier und Jetzt statt und in der Zukunft. Fragen wie, warum gerade ich, was habe ich falsch gemacht, werde ich sterben? All diese Fragen stelle ich mir nicht. Ich werde leben und glücklich sein.