(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Foto ist entstanden bei unserem ersten Shooting.

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Foto ist entstanden bei unserem ersten Shooting.

Ich lerne täglich dazu. Neue Begriffe wie Sentinel gehören ebenso dazu, wie Geduld. Meine ganz schwache Seite. Ich bin ungeduldig und will schnelle Lösungen. Nicht tagelang rumeiern und warten was passiert. Klare Worte, damit kann ich gut umgehen.

In der Stadt gibt es ein Mammazentrum, dort sollen die Besten der Besten urteilen über meine Befunde. Gynäkologen, Onkologen, Plastische Chirurgen werden in mein Leben einziehen und es hoffentlich wieder auf die Gerade schieben. Ich helfe mit – ohne wenn und aber. Das fällt, wie man sich denken kann, nicht immer ganz leicht. Mir ist die Sprache nicht vertraut, sind die Begrifflichkeiten fremd.

Zum ersten Mal schlage ich im Mamma-Zentrum auf. Eine seltsame Atmosphäre umfängt mich. Ein wahrhaft altes Pärchen unterhält sich im anderen Wartezimmer. Die Frau hat Krebs. Ich schließe die Türe zu meinem kleinen Warteraum und telefoniere. Ich möchte mit dem Krebs der anderen nichts zu tun haben. Auch nicht mit deren Leiden. Ich will das alles nicht hören. Ich brauche gesunde, starke Menschen um mich herum. Keine Kranken, die sich nicht mehr auskennen und mit dunklen Gesichtern durchs Leben gehen. Ich will die Geschichten der anderen nicht hören. Das interessiert mich nicht. Ich möchte kein Wehklagen in meinem Umfeld. Ich bin klar. Glasklar und mit jeder weiteren Minute des Wartens auf den Satz: „Frau Thaller, kommen Sie mit.“, weiß ich, dass es jetzt ernst ist.

Ein weiterer Ultraschall.
Machen Sie sich bitte obenrum frei. Ich schmunzle. Wie oft habe ich diesen Satz in den vergangenen Tagen gehört? Frauenarzt, Mammographie, Röntgen, Mammazentrum. Vier Mal in fünf Tagen. Arme hoch, die Brüste werden abgetastet. Dann folgt der Ultraschall. Dieser Doc sieht mehr, mehr Tumore. „Sie brauchen ein MRT, damit wir mehr Klarheit bekommen, wo die Burschen genau sitzen, das brauchen wir für die OP, ist aber kostenpflichtig.“ „Wir vereinbaren für Sie dort einen Termin, nächste Woche.“

Warten, wieder muss ich warten und bin alleine mit diesem Befund. „Die Hormonrezeptoren kommen am Freitag, dann wissen wir mehr.“ Wiedervorstellung nach dem MRT. Wiederschaun und alles Gute. … Mir reicht’s. Was soll ich jetzt mit der Diagnose. Ach ja, damit ich es nicht vergesse. Die Brust muss ab und zwar ganz. Das erfahre ich mit einem Lächeln bei der Verabschiedung. Dieser Doc hat auch Krebs, das weiß ich, woher ist egal.  Was ich aber auch weiß ist, dass er im Umgang mit Menschen in meiner Situation völlig ungeeignet ist. Der Typ Egomane, mit dem niemand etwas zu tun haben möchte.

Willkommen in der Realität
Wow, ich bekomme keine Luft mehr. Was ist, wenn der Bursche noch wo anders sitzt. Ich war doch gerade auf Expedition und bin fit. Fühle mich gut. Mich schmerzt meine Brust. Die Biopsie lässt grüßen. „Nun, liebe Petra“, spreche ich mit mir selbst,  das kriegst du hin und wirst wie Phönix aus der Asche steigen. Genau. Hoffentlich sind die Ergebnisse der Hormonrezeptoren, ein neues Wort in meinem Wortschatz, hoffentlich sind diese positiv, dass ich keine Chemo brauche. Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiß, ist der Umstand, dass es wiederum andere Indikatoren gibt, die selbst bei positiven Östrogen- und Progesteron-Rezeptoren, eine Chemo erfordern. Na ja, alles weiß man eben nicht sofort, kann ich hier nur anfügen. Sei es drum. Ich hoffe diese Dinger sind positiv und ich kann meine langen Haare behalten, muss nicht spucken und mich schlapp fühlen.

Die Zeit des Wartens ist die schlimmste, Ergebnisse zu haben, das allerbeste was einem passieren kann, denn nur dann weiß man was zu tun ist, oder eben auch nicht.