Die Kinder? Wie sage ich es den Kindern? Sage ich es Ihnen überhaupt? Mit welchen Worten? Es ist alles nebulös. Wie werden sie es aufnehmen? Die Phase der Unsicherheiten ist kurz.

(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Fotos entstand während des ersten Fotoshootings für meinen Blog.
(c) Sorin Morar & Thomas Straub. Das Fotos entstand während des ersten Fotoshootings für meinen Blog.
Ich besuche eine zuverlässige, jahrelange Freundin Andrea, sie liest den Befund. Andrea ist Heilpraktikerin, eine von den vernünftigen und guten. Verteufelt die klassische Medizin nicht. Im Gegenteil. Alles zu seiner Zeit. In meiner neuen Zeit gibt es keine Alternativen. Ich bin sauer. Worauf? Keine Ahnung. Auf dem Weg in mein altes Zuhause telefoniere ich mit meinem Jürgen, dem Vater unserer Kinder. Er wird es Joshua unserem Sohn mitteilen, ich unserer Tochter Sara. Sara sieht mich mit großen Augen an und weint. Ich halte sie im Arm und das große Mädchen weint. Die Nachricht schockiert andere Menschen mehr als mich. Meine Kinder allen voran. Joshua bekommt nachts Fieber. Eine Scheißsituation. Wie immer im Leben greife ich zur Alltäglichkeit, zur Normalität.

Jetzt bloß nicht den Kopf verlieren und ihn vor allem nicht in den Sand stecken. Aufstehen und stark sein für mich und meine Familie. Raus in den Sturm – die Flügel halten, so viel ist sicher.

Die ersten Tage
Ich kann schlafen. Weniger lange als vorher, aber ich schlafe. Gut so, das ist wichtig. Nachts wache ich auf, dann ist Gespensterzeit. Sie setzen sich auf meine Bettkante und ärgern mich so lange, bis ich mich entschließe aufzustehen und etwas Sinnvolles zu machen. Spülmaschine ausräumen, Waschmaschine bestücken. Emails checken. Tee trinken. Auf meinem iPad einen Film ansehen. Gegen Morgen schlafe ich wieder ein. Ein gutes Ritual. So lerne jeden Tag mein neues Zuhause ein wenig besser kennen. Es wird mir vertraut. Ich kann damit umgehen. Wobei: Ich bin ja erst im Einzugsstadium. Noch ist nichts passiert. Keine finale Diagnose. Das soll in den kommenden Tagen geschehen.

Der neue Freund ist angeblich nicht der böseste aller bösen Buben. Er ist gut abgegrenzt ein G1 Tumor,  „Glück gehabt, denke ich bei mir“ und blicke nach vorne.