(c) Sorin Morar & Thomas Straub

Termin in zwei Tagen. Und dann beginnt der Irrsinn. Ultraschall, Mammographie – die Ärztin will erst noch die Vergleichsbilder von vor sechs Jahren ansehen. Ich bleibe hart. Ich will es jetzt wissen, ich brauche für mich diese Biopsie. Wieder einmal möchte ich mit dem Kopf durch die Wand. In diesem Falle ist es die einzig richtige Entscheidung.

(c) Sorin Morar, Thomas Straub.

Zwei Tage später blicke ich in die Augen eines wirklich coolen jungen Arztes. Amnesie, Ausziehen, Ultraschall. So kann man das auf den Punkt bringen. Der Blick in seine Augen verrät nichts Gutes. Ich höre mich fragen, ob ich operiert werden muss, fragen, noch bevor der Typ überhaupt Gel auf meine deformierte Brust packt. Ja, höre ich und ich weiß, dass er die Wahrheit sagt. Danach eine Stanzbiopsie. Scheiße, das ist nicht angenehm – fünf Mal. Dann darf ich mir die rosa-weißen Würmchen in einem gläsernen Becher anschauen. Mit einem Druckverband werde ich entlassen. Am nächsten Tag ist das Ergebnis da – 16.00 Uhr.

Die erste Diagnose
Kurz nach 16.00 Uhr läutet mein Mobiltelefon, ich bin in der Röntgenklinik und warte auf das Ergebnis. Ich kann mich nur an einen Satz erinnern: „Frau Thaller, das geht in die falsche Richtung. Mich hat soeben die Klinik angerufen, es ist ein Mammakarzinom.“ So schnell kann es also gehen. Es geht in die falsche Richtung und das war’s.

Wie auf Knopfdruck zieht sich alles in mir zusammen. Zurückblickend wusste ich es ja bereits, instinktiv. Sportler kennen ihren Körper und sie sind Kämpfer. Müdigkeit wird ignoriert, Unlust auf Sport übergangen und der Umstand auf die vergangenen Jahre geschoben und die viele Arbeit. Es ist ganz einfach. Doch jetzt ist eben alles anders. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, die Handgelenke schmerzen und Tränen fließen leise. Ganz leise. Kein Schreien, kein Toben. Es sind stille Tränen und ein Gefühl des Vakuums macht sich breit.

Mit wem möchte ich jetzt sprechen? Muss ich mich überhaupt mitteilen? Für mich ist klar: ja, ich muss. Ich möchte darüber sprechen. Mein Gefühl in diesem Moment? Ich realisiere es nicht. Es fühlt sich an wie … heiraten, ja oder ausziehen von zu Hause, aufwachen in einem neuen zu Hause.

Ja, das ist es. Ich lebe ab sofort in einem neuen Zuhause. Ich finde die Lichtschalter noch nicht automatisch und im Dunklen fällt mir die Orientierung schwer. Linkisch tapse ich mich durch die ersten Stunden.